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Interviews

7 Fragen an

Dunja Krcek

7 Fragen an Dunja Krcek

Liebe Dunja,

Malerei, Zeichnung, Collage und textile Installationen sind deine Medien. Du arbeitest mit reduzierten abstrahierten Formen und oftmals mit leuchtenden Farben. Dabei geht es dir nach eigener Aussage um die Erforschung von Atmosphäre als Raumgefühl. Wer sich mit Raum beschäftigt, befasst sich auch mit Zeit, mit der Bewegung und Position oder dem Dispositiv im Raum. Die Fragen, die dabei entstehen, sind nicht nur zur Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum, sondern auch zur Wirkung des Beobachtetwerdens dabei, denke ich mir.

Bei deinen Arbeiten, mit denen du auf Art Apart vertreten bist, handelt es sich um Malereien und Collagen. Sie wirken auf mich sehr farbenfroh, dynamisch und bewegt und auch dreidimensional, also regelrecht räumlich. So greifen sie in mehrfacher Hinsicht in den Raum ein, in dem sie sich befinden, und stellen selbst sowohl ganz neuen, von dir erschaffenen, als auch reflektierten (inneren oder innerlichen) Raum dar.

Dazu meine 1. Frage:

1. Wenn du dich als Künstlerin in deiner Arbeit einem Ort annäherst, diesen abbildest und in seiner Wirkung darstellst und dein Publikum dann in deiner Kunst diese Umsetzung eines Orts beobachtet, welche Wechselwirkung könnte dann geschehen durch deine Betrachter:innen als Beobachter:innen? Denn deine körperliche Anwesenheit bei der Produktion deiner Kunst wird ja durch die Anwesenheit deines Publikums bei der Ausstellung deiner Kunst im Raum quasi ersetzt. So wird die Möglichkeit eines Perspektivwechsels gegeben, denke ich – wie siehst du das bzw. wie nimmst du das wahr?

Ich möchte mit meinen Arbeiten Möglichkeiten für die Entwicklung imaginativer, assoziativer Räume schaffen, in die man als Betrachter:in eintauchen kann. Während für mich der Prozess des Malens oder der Bilderzeugung etwas mit Problemlösung und Kompositionsfindung zu tun hat, ich mich also während dieser Entstehungsphase eher als Teil eines Bildraumes wahrnehme der sich oft sehr sprunghaft verändert, so möchte ich für die Betrachter:innen Orientierungselemente anbieten, die in ihrer Form an eine Figur, eine Pflanze, ein Objekt erinnern können und von welchen aus man dann in abstrahierte Welten gehen kann. Dieses Angebot ist gleichzeitig eine Einladung zum Träumen. Träumen im Sinne von einem Blick, der die Möglichkeit bekommt abzuschweifen, sich komplett in einem Detail verlieren kann und dann wieder die Gesamtheit des Bildes wahrnimmt und wiederum neue Wege entdeckt die in ein ungewisses „Dahinter“ führen können.

Für mich sind meine Malereien wie ein Ausschnitt, entnommen aus einer viel größeren Welt, die an den Rändern in alle Richtungen weiter wachsen könnte. Oftmals übersetze ich die Idee eines Raumes, den ich in den Malereien entwickle, in textile ortsspezifische Installationen. Somit wird diese Idee vom gedanklichen Raum körperlich spürbarer, erfahrbarer für mich.

Der Perspektivenwechsel ist meiner Arbeitsweise inhärent. Einerseits körperlich, durch die Bewegungen während des Arbeitens, andererseits während der Entscheidungsfindungen in den Kompositionen. Ein wechselseitiger Prozess, getragen vom Loslassen einer Idee und dem Vertrauen in eine Form die ich setze, lässt mich unterschiedliche gedankliche Positionen zum Bild einnehmen.

Ich denke mir, das dieser Perspektivenwechsel durch die Anwesenheit eines Publikums, anderer Betrachter:innen fortgesetzt werden kann. Neue Assoziationen, Erinnerungen werden bei der Betrachtung mitgebracht und weitergeführt.

2. Deine Kunst ist.....?

Meine Kunst ist an der visuellen Erforschung von Bewegungsabläufen und der damit einhergehenden Raumbildung interessiert. Diese Bewegungsabläufe können gedanklich und rein innerlich stattfinden, oder sich mit Dingen die ich im Außen beobachte auseinandersetzen. Das kann der Zyklus der Jahreszeiten sein, genauso wie ein Taubenschwarm, der seine Runden vor meinem Haus dreht. Alles ist in Bewegung, im Austausch. Mein momentanes Interesse liegt bei sehr langsamen Bewegungen: dem Wachstum der Pflanzen und wie sich dieses Wachsen in den Formen und Früchten manifestiert. Dazu sammle ich gerade getrocknete Pflanzen, die nun überall in meinem Atelier herumliegen und meine Werke beeinflussen.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:

Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?

Die Ungewissheit einladen und sich mit ihr Anfreunden.

Zur 4. Frage:

Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?

Was bedeutet deine Kunst für dich?

Ich glaube, mich begleitet vor allem die Frage: Wie gehe ich mit meinen Gedanken um? Welche gedanklichen Muster begleiten mich immer wieder? Und diese Frage ist während ich Kunst mache stetig, durch die Beobachtung meiner Gedanken auf eine visuelle, abstrahierte Weise präsent und findet Analogien in den Arbeitsschritten beim Malen. Wie weit kann ich, zum Beispiel, mit dieser Farbfläche gehen; wenn ich diesen Strich setze, was ist dann die Konsequenz die ich daraus ziehe usw. So verhält es sich auch mit den Gedanken. Wenn ich diesem oder jenem Gedanken nachgehe, wo führt er mich dann hin, wie könnte der Gegensatz dazu aussehen? Oftmals verfängt man sich ja in Zweifeln oder Gedankenspiralen, die sich dann im Kopf als Glaubenssätze manifestieren. In meinem künstlerischen Prozess kann ich diese geistigen Dynamiken ausagieren und mich mit neuen Lösungsmodellen, die durch die Auseinandersetzung mit einem Material, insbesondere der Substanz Farbe möglich werden, überraschen.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:

Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Am meisten beeinträchtigt war meine Arbeitsweise durch den fehlenden sozialen Austausch, das Sprechen mit anderen über die Arbeit, die Anwesenheit anderer Personen im Atelier. Zwar arbeite ich gerne alleine und brauche auch diese Stille, um mich konzentrieren zu können, doch es wurde mir dann zuviel und ich fühlte mich beengt. Mein Atelier ist gleichzeitig der Ort an dem ich wohne. Dies hat dann das Gefühl von Isolation noch verstärkt. Es fühlte sich so an, als wäre ich auf einer kleinen Insel, von der ich nicht mehr weg kann. Die Frage, wie sich diese Erfahrung konkret in meiner Kunst niederschlagen wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantworten. Ich habe das Gefühl, es muss noch einige Zeit verstreichen, damit für mich wirklich begreifbar wird, was diese Pandemie einerseits für mein persönliches Leben bedeutet hat, aber auch wie sich dieses kollektive Ereignis in größeren Zusammenhängen manifestieren wird.

6. Welche Frage bewegt dich gerade?

Welche neue, andere Perspektive kann die Welt der Pflanzen über das Menschsein eröffnen? Wie gestaltet sich der Raum der Begegnung mit einem pflanzlichen Lebewesen? Wie sieht er aus, welche Dynamiken entstehen bei einem gegenseitigen Näherkommen? Welches Wissen kann ich aus dieser Begegnung generieren? Und welche Rolle kann das Kunstmachen bei dieser Begegnung einnehmen?

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?

Wie gehen Sie mit dem Gefühl von Ungewissheit um? Welches Raumgefühl entsteht dabei für Sie?

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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